Risikohinweise und Empfehlungen

Der Ausschuss für Finanzmarktstabilität (AFMS) nutzt zur Adressierung der identifizierten Systemrisiken neben den makroprudenziellen Instrumenten auch Risikohinweise und Empfehlungen, die auf den Abbau bzw. die Reduktion von Finanzmarktstabilitätsrisiken abzielen. Mithilfe von Empfehlungen kann der AFMS insbesondere den Einsatz sowie die adäquate Kalibrierung von makroprudenziellen Instrumente vorschlagen.

2020

29. Juni 2020: Empfehlung für die Beibehaltung des Antizyklischen Kapitalpuffers (AFMS/2020/1)

Der Ausschuss für Finanzmarktstabilität hat in seiner Sitzung am 29. Juni 2020 der Regierung gemäss Art. 33b Abs. 2 Bst. d FMAG empfohlen, die Höhe des Antizyklischen Kapitalpuffers für Banken im Inland bei 0% beizubehalten, da aktuell keine exzessive Kreditvergabe in Liechtenstein zu erken-nen ist.

Durch diesen Puffer soll in Zeiten von übermässigem Kreditwachstum durch die Finanzinstitute eine zusätzliche Kapitalreserve aufgebaut werden, die im Krisenfall Verluste abfedern soll. Grund-lage für die Puffer-Entscheidung bildet die sogenannte Kreditlücke, d.h. die Abweichung der Ver-schuldungsquote des privaten Sektors relativ zum BIP von seinem langfristigen Trend. Die Schät-zung der Kreditlücke, welche auf Basis der Haushaltsverschuldung sowie der Hypothekarkredite berechnet wird, ergibt aktuell einen positiven Wert und würde daher aus einer rein technischen, regelbasierten Perspektive eine Erhöhung des Puffers implizieren. Bei genauerer Analyse zeigt sich jedoch, dass der Anstieg der Kreditlücke hauptsächlich auf den erwarteten Rückgang des BIP zu-rückzuführen ist, und dass nach wie vor keine exzessive Kreditvergabe zu beobachten ist. Vor dem Hintergrund der aktuellen globalen Rezession und unter Berücksichtigung weiterer Indikatoren zur Entwicklung der zyklischen Risiken in Liechtenstein kam der Ausschuss für Finanzmarktstabilität daher zum Schluss, derzeit von einer Erhöhung des Antizyklischen Kapitalpuffers abzusehen.

Der Ausschuss für Finanzmarktstabilität analysiert und verfolgt die Entwicklung der zyklischen Risi-ken im Finanzsektor weiterhin aktiv und wird gegebenenfalls die Rekalibrierung des Antizyklischen Kapitalpuffers vorschlagen, sofern dies als notwendig erachtet wird.

Empfehlung für die Beibehaltung des Antizyklischen Kapitalpuffers (AFMS/2020/1)

29. Juni 2020: Empfehlung für die Beibehaltung des A-SRI-Kapitalpuffers (AFMS/2020/2)

Der Ausschuss für Finanzmarktstabilität hat in seiner Sitzung am 29. Juni 2020 der FMA gemäss Art. 33b Abs. 2 Bst. d des Finanzmarktaufsichtsgesetzes (FMAG) empfohlen, die Höhe des Puffers für andere systemrelevante Institute (A-SRI) mit 2% des Gesamtrisikobetrags auf konsolidierter Ebene festzulegen. Basierend auf der jährlichen Kalibrierung und Pufferüberprüfung durch die FMA hat der Ausschuss für Finanzmarkstabilität empfohlen, die Höhe des Puffers bei 2% des Gesamtrisikobetrages beizubehalten. Diese Empfehlung trägt insbesondere den Leitlinien der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde (EBA)[1] Rechnung.

Der A-SRI-Puffer wird für jene Institute eingesetzt, von denen systemische Risiken auf das Bankensystem ausgehen. Der A-SRI-Puffer zielt durch die Vorgabe eines zusätzlichen Puffers in hartem Kernkapital in erster Linie auf eine Reduktion der Ausfallswahrscheinlichkeit von systemrelevanten Instituten ab, gleichzeitig bewirkt er aber auch eine Kompensation der negativen Effekte einer impliziten staatlichen Garantie. Zudem soll der Puffer das Marktvertrauen in die identifizierten Banken durch höhere Verlustabsorption stärken.

Die Identifikation von A-SRI erfolgt jährlich basierend auf der EBA-Leitlinie unter Berücksichtigung von zehn Indikatoren und erfolgt in zwei Schritten. Dabei wird im ersten Schritt eine Punktbewertung für alle relevanten Institute, zumindest auf der höchsten Konsolidierungsebene, berechnet. Die Punktbewertung spiegelt die Systemrelevanz des relevanten Instituts wider und schliesst folgende Kernkriterien ein:

  • die Grösse,
  • die Bedeutung für die Volkswirtschaft des relevanten Mitgliedstaats und die Erfassung der Ersetzbarkeit/Infrastruktur des Finanzinstituts,
  • die Komplexität, welche auch die zusätzliche Komplexität aus grenzüberschreitenden Aktivitäten einschliesst, und
  • die Verflechtungen des Instituts mit dem Finanzsystem.

Alle Kriterien werden gleich stark mit einem Gewicht von 25% gewichtet. Die Systemrelevanz eines Institutes im Finanzplatz ergibt sich aus dem Verhältnis des Institutes zu den anderen Instituten im Liechtensteiner Bankensystem. Die FMA verwendet den in der EBA-Leitlinie vorgegebenen Grenzwert von 350 Basispunkten für die Bestimmung eines Institutes als A-SRI, wobei der Gesamtscore je Bankensektor eines Mitgliedstaats 10‘000 Basispunkte beträgt. Im zweiten Schritt erfolgt eine aufsichtliche Bewertung durch die nationalen Behörden, in der gegebenenfalls zusätzliche optionale Indikatoren zur Beurteilung der Systemrelevanz herangezogen werden können, um alle systemrelevanten Banken als A-SRI zu identifizieren, auch wenn diese im ersten Schritt nicht identifiziert werden.

Für die Liechtensteiner Institute ergeben sich folgende Scores und Pufferhöhen:

 

Gesamtscore

A-SRI-Pufferhöhe

in % des Gesamtrisikobetrags

LGT Bank AG

 5,226

2%

Liechtensteinische Landesbank AG

 2,511

2%

VP Bank AG

 1,309

2%

Die drei identifizierten A-SRI sind in allen vier Kernkriterien (d.h. Grösse, Bedeutung für die liechtensteinische Volkswirtschaft, Komplexität sowie Verflechtung mit der Realwirtschaft) für den Liechtensteiner Bankensektor systemrelevant. Der Liechtensteiner Bankensektor ist hoch konzentriert um die drei systemrelevanten Banken, was anhand des Gesamtpunktewertes (aggregiert über die drei Grossbanken) in Höhe von 9‘046 (von den möglichen 10‘000 Basispunkten) ersichtlich ist. Da alle drei identifizierten A-SRI einen Gesamtpunktewert von über 1‘000 Punkten aufweisen, und somit weit über dem festgelegten Grenzwert für die Identifikation einer systemrelevanten Bank von 350 Basispunkten liegen, empfiehlt der AFMS der FMA die Beibehaltung des A-SRI-Puffers in Höhe von 2% des Gesamtrisikobetrags.

[1] Leitlinien für die Kriterien zur Festlegung der Anwendungsvoraussetzungen für Artikel 131 Absatz 3 der Richtlinie 2013/36/EU (CRD) in Bezug auf die Bewertung von anderen systemrelevanten Instituten (A-SRI) (EBA/GL/2014/10).

Empfehlung für die Beibehaltung des A-SRI-Kapitalpuffers (AFMS/2020/2)

29. Juni 2020: Empfehlung zur Umsetzung der ESRB-Empfehlungen 2020/6, 2020/7 und 2020/8 zur Gewährleistung der Finanzstabilität im Kontext der COVID-19 Pandemie (AFMS/2020/3)

Der Ausschuss für Finanzmarktstabilität (AFMS) hat in seiner Sitzung am 29. Juni 2020 der FMA gemäss Art. 33b Abs. 2 Bst. d des Finanzmarktaufsichtsgesetzes (FMAG) empfohlen, die kürzlich publizierten ESRB-Empfehlungen im Kontext der COVID-19 Pandemie umzusetzen.

Die ESRB-Empfehlung 2020/6 befasst sich mit Liquiditätsrisiken aufgrund von Margin Calls, die insbesondere bei Finanzmarktturbulenzen verstärkt auftreten können. Während die ESRB-Empfehlung für Liechtenstein nur teilweise relevant ist, weil es in Liechtenstein keine zentrale Gegenpartei (central counterparty, CCP) gibt, empfiehlt der AFMS der FMA die für Liechtenstein relevanten Empfehlungen im Rahmen ihrer regelmässigen Aufsichtstätigkeit zu berücksichtigen und entsprechend umzusetzen.

Die ESRB-Empfehlung 2020/7 sieht eine Beschränkung von Dividendenausschüttungen, Aktienrückkäufen und Auszahlungen von variablen Lohnbestandteilen für Banken, Versicherungsunternehmen, Rückversicherer und zentrale Gegenparteien bis Jahresende vor, um die Eigenmittel der Finanzintermediäre im Kontext der COVID-19 Pandemie zu stärken. Der AFMS unterstützt grundsätzlich die Ziele der Empfehlung, dass ein Überschwappen der Krise auf den Finanzsektor verhindert werden soll, damit der Finanzsektor seine wichtige Rolle für die realwirtschaftliche Erholung erfüllen kann. Vor dem Hintergrund der aktuellen globalen Rezession bleibt eine vorsichtige und umsichtige Ausschüttungspolitik im Finanzsektor daher von grosser Bedeutung. Unter Berücksichtigung der speziellen Charakteristika des Finanzsektors in Liechtenstein, insbesondere der deutlich überdurchschnittlichen Kapitalisierung des liechtensteinischen Banken- und Versicherungssektors, sowie der gesetzlichen Rahmenbedingungen, wird ein generelles Verbot von Dividendenausschüttungen, Aktienrückkäufen sowie der Auszahlung von variablen Lohnbestandteilen in Liechtenstein jedoch im Sinne der Empfehlung als nicht proportional angesehen. Der AFMS empfiehlt daher der FMA, die Empfehlung des ESRB in Liechtenstein nicht umzusetzen.

Die ESRB-Empfehlung 2020/8 fordert von den nationalen makroprudenziellen Behörden ein Monitoring der finanzstabilitätsrelevanten Aspekte der fiskalischen Massnahmen, die zur Unterstützung der Realwirtschaft im Kontext der COVID-19 Pandemie getroffen wurden. In diesem Zusammenhang empfiehlt der AFMS der FMA, ein entsprechendes Monitoring aufzubauen, wie dies in der ESRB-Empfehlung vorgeschlagen wird, und die Ergebnisse der Analyse regelmässig an den ESRB zu melden. Der Regierung empfiehlt der AFMS, die für diese Analyse notwendigen Daten der FMA zur Verfügung zu stellen.

Empfehlung zur Umsetzung der ESRB-Empfehlungen 2020/6, 2020/7 und 2020/8 zur Gewährleistung der Finanzstabilität im Kontext der COVID-19 Pandemie (AFMS/2020/3)

 

2019

5. Juli 2019: Empfehlung für den Einsatz des Antizyklischen Kapitalpuffers (AFMS/2019/1)

Der AFMS hat in seiner Sitzung am 5. Juli 2019 der Regierung gemäss Art. 33b Abs. 2 Bst. d FMAG empfohlen, die Höhe des Antizyklischen Kapitalpuffers für Banken im Inland mit 0% festzulegen, da aktuell keine exzessive Kreditvergabe in Liechtenstein zu erkennen ist.

Durch diesen Puffer soll in Zeiten von übermässigem Kreditwachstum durch die Finanzinstitute eine zusätzliche Kapitalreserve aufgebaut werden, die im Krisenfall Verluste abfedern soll. Grundlage für die Puffer-Entscheidung bildet die sogenannte Kreditlücke, d.h. die Abweichung der Verschuldungsquote des privaten Sektors relativ zum BIP von seinem langfristigen Trend. Da die Kreditlücke aktuell negativ ist, wurde der Antizyklische Kapitalpuffer in der Höhe von 0% gemäss den Orientierungen des Basler Ausschusses für Bankenaufsicht (BCBS) empfohlen. Zusätzlich wurden auch weitere Indikatoren zur Entwicklung der zyklischen Risiken in Liechtenstein gemäss der Empfehlung des Europäischen Ausschusses für Systemrisiken (ESRB) berücksichtigt.

Der AFMS analysiert und verfolgt die Entwicklung der zyklischen Risiken im Finanzsektor weiterhin aktiv und wird gegebenenfalls die Rekalibrierung des Antizyklischen Kapitalpuffers vorschlagen und kommunizieren, sofern dies als notwendig erachtet wird.

Empfehlung für den Einsatz des Antizyklischen Kapitalpuffers (AFMS/2019/1)

28. Oktober 2019: Empfehlung für die Anpassung des A-SRI-Kapitalpuffers (AFMS/2019/2)

Der Ausschuss für Finanzmarktstabilität (AFMS) hat in seiner Sitzung am 28. Oktober 2019 der FMA gemäss Art. 33b Abs. 2 Bst. d des Finanzmarktaufsichtsgesetzes (FMAG) empfohlen, die Höhe des Puffers für andere systemrelevante Institute (A-SRI) mit 2% des Gesamtrisikobetrags auf konsolidierter Ebene festzulegen. Diese Empfehlung trägt insbesondere den Leitlinien der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde (EBA)[1] Rechnung.

Der A-SRI-Puffer wird für jene Institute eingesetzt, von denen systemische Risiken auf das Bankensystem ausgehen. Der A-SRI-Puffer zielt durch die Vorgabe eines zusätzlichen Puffers in hartem Kernkapital in erster Linie auf eine Reduktion der Ausfallswahrscheinlichkeit von systemrelevanten Instituten ab, gleichzeitig bewirkt er aber auch eine Kompensation der negativen Effekte einer impliziten staatlichen Garantie. Zudem soll der Puffer das Marktvertrauen in die identifizierten Banken durch eine höhere Verlustabsorptionsfähigkeit stärken.

Die Identifikation von A-SRI erfolgt jährlich basierend auf der EBA-Leitlinie unter Berücksichtigung von zehn Indikatoren und umfasst zwei Schritte. Dabei wird im ersten Schritt eine Punktbewertung für alle relevanten Institute, zumindest auf der höchsten Konsolidierungsebene, berechnet. Die Punktbewertung spiegelt die Systemrelevanz des relevanten Instituts wider und schliesst folgende Kernkriterien ein:

  • die Grösse,

  • die Bedeutung für die Wirtschaft des relevanten Mitgliedstaats und die Erfassung der Ersetzbarkeit/Infrastruktur des Finanzinstituts,

  • die Komplexität, welche auch die zusätzliche Komplexität aus grenzüberschreitenden Aktivitäten einschliesst, und

  • die Verflechtungen des Instituts mit dem Finanzsystem.

Alle vier Kriterien werden gleich stark gewichtet. Die Systemrelevanz eines Institutes im Finanzplatz ergibt sich aus dem Verhältnis des Institutes zu den anderen Instituten im Liechtensteiner Bankensystem. Für die Bestimmung eines Institutes als A-SRI wird der von der EBA-Leitlinie vorgegebene Grenzwert von 350 Basispunkten angewendet, wobei der Gesamtscore des Bankensektors eines Mitgliedstaats 10 000 Basispunkte beträgt. Im zweiten Schritt erfolgt eine aufsichtliche Bewertung durch die nationalen Behörden, in der gegebenenfalls zusätzliche optionale Indikatoren zur Beurteilung der Systemrelevanz herangezogen werden können, um alle systemrelevanten Banken als A-SRI zu identifizieren, auch wenn diese im ersten Schritt nicht identifiziert werden.

Für die Liechtensteiner Institute ergeben sich folgende Scores und Pufferquoten:

 

Gesamtscore

A-SRI-Pufferquote in % des Gesamtrisikobetrags

LGT Bank AG

 5284

2%

Liechtensteinische Landesbank AG

 2488

2%

VP Bank AG

 1219

2%

Die drei identifizierten A-SRI sind in allen vier Kernkriterien (d.h. Grösse, Bedeutung für die liechtensteinische Wirtschaft, Komplexität sowie Verflechtung mit der Realwirtschaft) für den Liechtensteiner Bankensektor systemrelevant. Der Liechtensteiner Bankensektor ist hoch konzentriert um die drei systemrelevanten Banken, was anhand des Gesamtpunktewertes (aggregiert über die drei Grossbanken) in Höhe von 8991 (von den möglichen 10 000 Basispunkten) ersichtlich ist. Da alle drei identifizierten A-SRI einen Gesamtpunktewert von über 1000 Punkten aufweisen, und somit weit über dem festgelegten Grenzwert für die Identifikation einer systemrelevanten Bank von 350 Basispunkten liegen, empfiehlt der AFMS der FMA die Festlegung des A-SRI-Puffers in Höhe von 2% des Gesamtrisikobetrags.

Daraus ergibt sich eine Erhöhung der A-SRI-Pufferquote von 0% auf 2% des Gesamtrisikobetrags. Liechtenstein hat in der Umsetzung der CRD IV im Jahr 2015 den Weg gewählt, die zusätzlichen Kapitalanforderungen für die drei systemrelevanten Banken über den Systemrisikopuffer abzudecken. Aufgrund der erfolgten formellen Übernahme der CRD IV in das EWR-Abkommen durch den Beschluss des Gemeinsamen EWR-Ausschusses Nr. 79/2019 vom 29. März 2019 sollen im Herbst 2019 die grundlegenden Bestimmungen zu den Kapitalpuffern an das europäische Verständnis angepasst werden. Vor diesem Hintergrund findet auch eine Re-Kalibrierung des Systemrisikopuffers statt.

[1] Leitlinien für die Kriterien zur Festlegung der Anwendungsvoraussetzungen für Artikel 131 Absatz 3 der Richtlinie 2013/36/EU (CRD) in Bezug auf die Bewertung von anderen systemrelevanten Instituten (A-SRI) (EBA/GL/2014/10).

Empfehlung für die Anpassung des A-SRI-Kapitalpuffers (AFMS/2019/2)

Die FMA hat diese Empfehlung bereits umgesetzt und die Höhe des A-SRI-Puffers mit Entscheidung vom 20. November 2019 für die drei identifizierten Banken entsprechend festgelegt.

28. Oktober 2019: Empfehlung für die Anpassung des Systemrisikopuffers (AFMS/2019/3)

Der Ausschuss für Finanzmarktstabilität hat in seiner Sitzung am 28. Oktober 2019 der Regierung gemäss Art. 33b Abs. 2 Bst. d des Finanzmarktaufsichtsgesetzes (FMAG) empfohlen, einen Systemrisikopuffer zur Abwehr langfristiger struktureller Systemrisiken für identifizierte liechtensteinische Banken von bis zu 2% des Gesamtrisikobetrags sowohl auf konsolidierter als auch auf Einzelinstitutsebene festzulegen.

Der Systemrisikopuffer dient nach Art. 4a Abs. 1 Bst. c Bankengesetz[1] (BankG) zur „Minderung langfristiger nicht-zyklischer System- oder Makroaufsichtsrisiken, deren Verwirklichung das Finanzsystem oder die Realwirtschaft ernsthaft beeinträchtigen“. Der Systemrisikopuffer erhöht die Widerstandsfähigkeit durch Steigerung der Fähigkeit zur Verlustabsorption und begrenzt gleichzeitig die Verschuldung und Risikobereitschaft der Banken. Durch die Vorgabe des Systemrisikopuffers von zusätzlichem harten Kernkapital erhöht sich die Risikotragfähigkeit der Banken, die den identifizierten strukturellen Systemrisiken in besonders hohem Ausmass ausgesetzt sind.

Der Ausschuss adressiert mit seiner Empfehlung – basierend auf der Analyse der FMA zu bestehenden Systemrisiken für den Liechtensteiner Bankensektor – zwei wesentliche systemische Risikoquellen, denen der Liechtensteiner Bankensektor ausgesetzt ist. Dabei handelt es sich um die systemische Verwundbarkeit und das systemische Klumpenrisiko.

  1. Die systemische Verwundbarkeit ergibt sich aufgrund einer erhöhten Verwundbarkeit von Banken gegenüber dem Finanzsystem, die durch die Vernetzung der Banken untereinander, mit dem Finanzsystem sowie mit der Realwirtschaft entsteht. Wichtige Faktoren der systemischen Verwundbarkeit in Liechtenstein sind insbesondere gleichartige grenzüberschreitende Exposures, bedingte Verbindlichkeiten gegenüber der Einlagensicherung sowie systemische Risiken, die sich aufgrund der institutionellen Besonderheiten sowie der vorherrschenden Geschäftsmodelle ergeben.

  2. Das systemische Klumpenrisiko ergibt sich aus substanziellen ähnlichen Risikopositionen und Abhängigkeiten des Bankensektors und kann aufgrund dieser Gleichartigkeit bei mehreren Banken zu erheblichen negativen Auswirkungen im Finanzsystem und auf die Realwirtschaft führen. Ein wesentliches Klumpenrisiko in Liechtenstein resultiert beispielsweise aus den hohen Hypothekaranlagen in den Bankbilanzen vor dem Hintergrund der hohen Verschuldung des privaten Haushaltssektors.

Die Höhe des Systemrisikopuffers wird anhand unterschiedlicher methodischer Ansätze kalibriert, wobei sowohl historische Krisenkosten, potenzielle Kosten aufgrund der Materialisierung von spezifischen Systemrisiken als auch ein Vergleich der makroprudenziellen Kapitalpufferanforderungen mit ähnlichen Bankensystemen wie Liechtenstein in Betracht gezogen werden. Schliesslich erfolgt die Auswahl der Banken mit dem Systemrisikopuffer nach quantitativen Kriterien und berücksichtigt dabei eine Reihe von direkten und indirekten Ansteckungsindikatoren sowie Proportionalitätskriterien. Dabei werden nur jene Banken ausgewählt, die den Systemrisiken in besonders hohem Mass ausgesetzt sind.

Basierend auf dieser Evaluierung ergeben sich folgende Quoten für den Systemrisikopuffer für die folgenden identifizierten Institute:

 

Systemrisikopufferquote in % des Gesamtrisikobetrags

LGT Bank AG

2%

Liechtensteinische Landesbank AG

2%

VP Bank AG

2%

Bendura Bank AG

1%

Bank Alpinum AG

1%

Union Bank AG

1%

Da sich die Systemrisiken sowohl auf konsolidierter als auch auf Einzelinstitutsebene manifestieren können und die Kapitalallokation innerhalb einer grenzüberschreitenden Bankengruppe in einer Krise nicht flexibel ist, wird der Systemrisikopuffer auch auf Einzelinstitutsebene empfohlen. Bei gleichzeitiger Anwendung eines Systemrisikopuffers und eines Kapitalpuffers für andere systemrelevante Institute (A-SRI) kommt der jeweils höhere der beiden Kapitalpuffer zur Anwendung.

Nach der erfolgten formellen Übernahme der CRD IV[2] in das EWR-Abkommen durch den Beschluss des Gemeinsamen EWR-Ausschusses Nr. 79/2019 vom 29. März 2019 sollen im Herbst 2019 die grundlegenden Bestimmungen zu den Kapitalpuffern an das europäische Verständnis angepasst werden. Vor diesem Hintergrund findet auch eine Re-Kalibrierung des A-SRI-Kapitalpuffers statt.

Im Rahmen der Überarbeitung der zugrundeliegenden Rechtsgrundlagen in der Europäischen Union wurden auch die Bestimmungen zu den makroprudenziellen Instrumenten geändert. Nach Übernahme der Änderungen des entsprechenden regulatorischen Rahmenwerks in Liechtenstein werden auch die makroprudenziellen Kapitalpuffer – insbesondere der Systemrisikopuffer und der A-SRI-Kapitalpuffer – neu kalibriert und beurteilt werden müssen, da Überlappungen zwischen den beiden Kapitalpuffern bisher nicht berücksichtigt werden.

[1] Gesetz vom 21. Oktober 1992 über die Banken und Wertpapierfirmen (Bankengesetz; BankG), LGBl. Nr. 1992.108, in der geltenden Fassung.

[2] Unter CRD IV wird in diesem Zusammenhang sowohl die EU-Richtlinie 2013/36/EU („CRD IV“) als auch die EU-Verordnung 575/2013 („CRR“) verstanden.

Empfehlung für die Anpassung des Systemrisikopuffers (AFMS/2019/3)

Mit dem Regierungsbeschluss zur Revision der Bankenverordnung (BankV) vom 26. November 2019 wurde diese Empfehlung bereits umgesetzt und die Höhe des Systemrisikopuffers für die identifizierten Banken entsprechend festgelegt.

 

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