Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft

Hierunter versteht man insbesondere Formen von Finanzdienstleistungen, bei welchen die Finanzintermediäre Nachhaltigkeitskriterien (sog. ESG-Kriterien: Environment, Social und Governance) in ihre Geschäfts- oder Investitionsentscheidungen integrieren. Angestrebt wird ein nachhaltiger Nutzen für den Kunden, die Umwelt und die Gesellschaft. Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft ist der Beitrag der Finanzmärkte zur Wandlung gesellschaftlicher, umweltbeeinflussender und wirtschaftlicher Faktoren zum Wohl der Erde und der Menschen. Umwelt- und Klimarisiken bilden derzeit den grössten Teil des Themenkomplexes.

Historische Grundlagen

Das Thema der Nachhaltigkeit wurde im Zuge der ersten UN-Weltumweltkonferenz (UNCHE) 1972 in Stockholm erstmals adressiert. Weitere wichtige Eckpfeiler waren der UN-Umweltgipfel 1992 in Rio de Janeiro und die dritte UN-Klimakonferenz in Kyoto 1997. Hervorzuheben ist vor allem das Übereinkommen von Paris aus dem Jahr 2015. Dabei handelt es sich um eine verbindliche Vereinbarung der 197 Vertragsparteien, darunter sind nicht nur die einzelnen Nationen, sondern auch die Europäische Union (EU). Diese verpflichteten sich dem gemeinsamen Ziel, die weltweite Erderwärmung deutlich unter 2° C im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu halten und generell ihre Emissionen zu senken. Zur Erreichung der Klimaziele sollen unter anderem auch die Finanzströme gezielt umgelenkt werden. Viele Nationalstaaten, die EU und zahlreiche Verbände/Vereinigungen (wie z.B. IOSCO und UN) haben sich der Erreichung der Ziele der nachhaltigen Entwicklung angenommen und verpflichtet.

Diskussionsstand in der EU

Die EU sieht sich den Klimazielen der UN-Agenda 2030 verpflichtet und erkennt die Wesentlichkeit einer nachhaltigen und ressourcenschonenderen Wirtschaft an. Dem europäischen Finanzsystem kommt bei der Erreichung dieser Ziele eine Schlüsselrolle zu. So erlies die EU 2018 unter Berücksichtigung der UN-Agenda 2030 den Aktionsplan „Finanzierung nachhaltiges Wachstum“. Der Aktionsplan sieht verschiedene Gesetzesinitiativen sowie aussergesetzliche Massnahmen zur Förderung von nachhaltigen wirtschaftlichen Tätigkeiten, umweltfreundlichen Finanzprodukten und zur Berücksichtigung von Nachhaltigkeit in der Finanzberatung sowie in der Finanzaufsicht vor. Zurzeit werden Regulierungspakete zu Taxonomie, Transparenz und Benchmark vorbereitet.

Aktueller Stand in Liechtenstein

Der Landtag des Fürstentums Liechtenstein hat dem Klimaabkommen von Paris, welches ab 2020 das Kyoto-Protokoll ablösen soll, im Juni 2017 zugestimmt und sich dadurch verpflichtet, bis 2030 seine Emissionen im Vergleich zu 1990 um 40% zu reduzieren. Die Regierung misst der Nachhaltigen Finanzierung in ihrer Finanzplatzstrategie hohe Bedeutung zu. Die FMA Liechtenstein hält die Nachhaltigkeit der Finanzwirtschaft für ein wichtiges Thema, welches in Zukunft immer mehr an Gewicht im Zuge der Bewilligung und im Rahmen der Aufsicht erhalten wird:

  • im Rahmen des Risikomanagements, indem Nachhaltigkeitsrisiken zu qualifizieren sein werden;
  • auf Ebene der Anlagen, wo zu beurteilen sein wird, ob es sich wirklich um nachhaltige Investments handelt oder
  • im Rahmen der Sicherung der Finanzstabilität; der Europäische Ausschuss für Systemrisiken betrachtet Klima bezogene Risiken als neu auftretendes Risiko für die Finanzstabilität.

Die FMA hat sich ungeachtet der pendenten Übernahme der Regularien in den EWR bereits mit dem Thema beschäftigt. Die FMA verfolgt den europäischen Umsetzungsstand im Rahmen ihrer Vertretung in den Europäischen Aufsichtsbehörden und bereitet sich fachlich und aufsichtsrechtlich bereits vor, um dann mit Übernahme der Regularien in den EWR einen reibungslosen Prozess implementiert zu haben.

Eine bereits 2016 durchgeführte Analyse aller Liechtensteiner Fonds hat erfreuliche Ergebnisse gebracht. Es zeigte sich, dass zahlreiche liechtensteinische Aktienfonds die ESG-Kriterien bereits zu einem hohen Grad erfüllten.

ESG-Analyse der liechtensteinischen Aktienfonds

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